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Sunday, November 13, 2011

Freund Hein - CD "Bourbon triggered death machine" - eine Video-Rezension

Hier die CD-Rezension im Video-Format mit Ausschnitten aus Freund Hein's CD Releaseshow am 26.September 2011 in der Szene Wien.


Freund Hein kann nur in Wien beheimatet sein. In dieser morbiden Stadt mit ihrer Affinität zum Tod. Und so zelebriert diese düstere Deathmetalband Freund Hein die neue CD "Bourbon Triggered Death Machine" als schöne Leich. Sie bezeichnen ihren Stil als "Groove Trash Metal". Es ist die sechste Musikveröffentlichung, die letzte CD "Chaos Immanent" (2007) liegt nun schon vier Jahre zurück.

Ungewöhnlich fand ich, daß zwischen metallenen Dreschgitarren ein Keyboard melodisch zwischenschlägt.
Auf der Bühne stehen also Vocals, Guitar, Bassguitar, Drums und Keyboard.
Doch dann öffnet die Gruft ihe Pforten und es erscheint Freund Hein höchstpersönlich. Ich meine nicht die Band, die steht ja sowieso schon auf der Bühne. Nein, Gevatter Tod tapst zwischen den Musikern vor zum Bühnenrand und schwingt seine Sense in der Hoffnung auf reiche Ernte unter den Musikfreunden. Und es bleibt nicht bei dieser Erscheinung...

Technisch perfekt und stilecht präsentiert, so reicht Freund Hein die Dröhnung an die tobenden Fans. Im Inlet sind neben Bildern mit viel Schwarz weise Sprüche aus des Satans Bibel oder aus dem Zitatenbuch eines heiseren Grundgevokalisten samt Mitmusikanten an den Tonäxten. Man erfährt, dass des Teufels Nüsse groß wie Bälle sind (dachte ich mir schon bei Rosemary's Baby) in einer Welt, wo Pilze hoch wie Bäume wachsen (wahrscheinlich am modrigen Moosboden eines aufgelassenen Friedhofs) und sich Whiskey-trunkene, revoltierende und marodierende Mutanten mit der Bourbon-triggered Deathmachine in der Hand "drink drink drink kill kill kill" rufend auf alles Lebende stürzen (Fans, genießt euer letztes Stündlein).

Deathmetal in gnadenloser Perfektion. Musikalischer Lärm mit martender Roheit. Parasiten westlicher Zivilisation und Erben des Krieges, die mit leeren Phrasen und falscher Moral aufgewachsen sind - so sehen sie sich in "European fuckface" - ups, ich dachte da erst mal an Berlusconi -, ätzen sie in "Residence Box" über bürgerliche Beschaulichkeit und fordern auf zum Überwinden der Schranken und Limitierungen, zur Befreiung vom Modediktat der Klatschkolumnisten, zum Abschwören von Donovans kleiner Boxen, zum Ausbrechen aus der Tretmühle der Standardisierungen, zum Ablehnen des netten "Sugar Honey Iced Tea Guy", dem CD Opener.

Im Titel "Motör Constrictor" ist vielleicht eine Hommage an Lemmy's Motörhead angedeutet, wie vielleicht auch im Titel der CD. Trinkt doch Lemmy noch mit 65 täglich Cola-Bourbon. Immerhin wird im zumindest textlich romantisch verträumten "Bourbon time" der gute alte Drink in einer guten alten Bar besungen. Doch als der Bourbon alle ist, kriegt der Barkeeper eine Kugel in den Kopf. Und weiter geht's, "...another night, another bar..." verheißt Unheil. Der Song wurde übrigens verfilmt.

Und nachdem von Schwammerl hoch wie Bäume die Rede war nun zu einem anderen Pilz: "Atomicalypse". Nach so einem kleinen Atompilz aus dem Physikbaukasten rennen Katzen vor riesigen Mutantenratten davon und die Oberschicht beschließt, die menschliche Rasse bis auf ein paar Auserwählte auszulöschen.
Sollten solche Typen wie Freund Hein unter den Auserkorenen sein, na dann, heile Welt ade!

In "Werechicken Horror Show" geht es um das Drama des Joe Farmer, der vom Gockel attackiert wird und des Morgens blutüberströmt aufwacht. In "Hourglass Disaster" bleibt die Zeit stehen. Erinnert ein wenig an Stephen Kings Langoliers. Keine Grenzen, keine Waffen. Ok, das geht noch. Doch auch kein Vertrauen und keine Zukunft. Was dann? "Hourglass disaster"; willkommen in der Hölle des Lebens.

In "Frenzy inside" hört Sänger Harald wispernde Stimmen in seinem Kopf und erlebt die Welt als Paradies, das ihm angesichts seiner Wahnvorstellungen verschlossen bleibt. Durchdrehen, Hysterie, Delirium, Psychose sind einige der Stadien, die er in 4 min11 sek durchleben muß.

Freund Heins CD "Bourbon Triggered Death Machine" ist geeignet für Powerplay zu Halloween. Noch schwärzer wäre nur mehr Dunkelheit, noch härter wäre Universalhärtegrad 11 (und das ist ja bekanntlich unmöglich).

Aufgenommen wurde im Concrete Studio in Göllersdorf, gemixt und gemastert in Seattle.

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